Collegium Musicum spielt seltene DDR-Filmmusik
Das Collegium Musicum Instrumentale der Universität Münster verbindet beim Semesterkonzert Archivfunde mit großer Sinfonik. Einsteigen, das Raumschiff hebt ab!
Von Robin Gerke | Westfälische Nachrichten | 8. Juli 2026

Licht aus, Film ab! Das Collegium Musicum Instrumentale unter der Leitung von Christian Voß spielt die Filmmusik zu „Der schweigende Stern“. Foto: Robin Gerke
Haben Sie einmal den Film „Der schweigende Stern“ von 1960 gesehen? Nein? Klingelt es vielleicht beim West-Titel „Raumschiff Venus antwortet nicht“? Auch nicht? Na gut, wir wollen nicht so tun, als müsste man diese DEFA-Rarität kennen. Zumindest einige Szenen daraus sind jetzt aber zumindest denen geläufig, die das Semesterkonzert des Collegium Musicum Instrumentale gehört haben.
Für das Programm „Aus Ruinen zu den Sternen“ hat sich das Uni-Orchester unter der Leitung von Christian Voß Unterstützung vom Institut für Musikwissenschaft geholt. Professor Michael Custodis hat aus verstaubten Archivbeständen Noten mitgebracht. Unter anderem von Andrzej Markowski, der die Musik zum oben genannten DDR-Film komponierte.
Billige Star-Trek-Kopie oder Sci-Fi-Pionier?
Licht aus, Film ab: Die Szenen, die über die große Leinwand im Hörsaal H1 ziehen, laden schon ein wenig zum Schmunzeln ein. Der Science-Fiction-Film könnte eine Star-Trek-Kopie mit strammem Budget sein – bis man sich vergegenwärtigt, dass der Streifen acht Jahre vor Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ entstanden ist.
Und die Musik dazu? Zieht nicht nur alle gängigen Register von Spannung, Schrecken und Staunen, die ein Weltraum-Epos braucht. Was sonst noch spannend an dieser Musik ist? „Fahrlässig, einen Musikwissenschaftler so etwas zu fragen. Wir wollen die Musik ja auch noch hören … “ sagt Custodis. Also ganz kurz: Die Musik bewegt sich auf einem komplexen Schachfeld aus künstlerischem Ausdruck, Propaganda und staatlicher Kontrolle – und sie wurde mit einiger Sicherheit noch nie live aufgeführt.
Schon eine Nummer bekannter ist der Film „Der Rat der Götter“ mit der dazugehörigen Musik von Hanns Eisler. Mit Paul Dessaus sinfonischer Bearbeitung eines Mozart-Quintetts verabschiedet sich das Collegium Musicum dann von der Filmmusik.
Auskomponierter Witz in fünf Sätzen
Und in der zweiten Hälfte auch aus der DDR, nicht aber aus dem Kontext des Sozialismus. Dimitri Schostakowitsch stieß der Führungsriege unter Stalin gehörig vor den Kopf, als er nach dem Sieg über Nazi-Deutschland die letzte seiner „Kriegssinfonien“ vorlegte. Seine Nummer 9 erfüllt zwar die Maßgaben einer Siegessinfonie – strahlendes Es-Dur, große Besetzung, orchestraler Bombast –, führt diese aber konsequent ad absurdum. Läufe, die ins Leere führen, und ein Zirkus- statt einem Triumphmarsch. Das Werk wirkt wie ein auskomponierter, bitterböser Witz in fünf Sätzen. Ohne fabelhafte instrumentale Leistung wären die vielen Pointen allerdings mehr als versaut – der langanhaltende Applaus ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Witz gezündet hat.
Das Konzert ist am Donnerstag (9. Juli 2026) um 20.15 Uhr erneut im H1 zu hören. Eintritt frei.






