Collegium musicum: Wer die „Pathetique“ hört, leidet mit

Schwere Kost aus dem 20. Jahrhundert bei Temperaturen um die 40 Grad – sollte man sich das wirklich antun? Unbedingt, findet unser Rezensent.

Von Christoph Schulte im Walde | Westfälische Nachrichten | 30. Januar 2026

Das Collegium musicum instrumentale mit seiner Dirigentin Marion Wood. Foto: Christoph Schulte im Walde

Tschaikowskis „Pathétique“ endet im Dunkel – und prägt den Abend nachhaltig. Dazwischen zeigt das Collegium musicum unter Marion Wood klangliche Sensibilität, Farbenreichtum und erzählerische Kraft. Am Ende bleibt nichts anderes liegen als ein gehauchtes tiefes „h“ der Streicher. Ein rabenschwarzes. So, wie man sich die Finsternis in einer Gruft vorstellt. Ob Peter Tschaikowski sich das Loch in der Erde womöglich herbeigesehnt hat, als er den letzten Satz seiner „Pathétique“ so ausklingen ließ? Viele Legenden ranken sich um Tschaikowskis letzte Sinfonie, seinen Schwanengesang, mit dem das Collegium musicum am Dienstag sein Semesterabschlusskonzert beendete.

Nein, fröhlich ist diese Sinfonie beileibe nicht. Daran kann auch das marschmäßig endende „Allegro“, dem todtraurigen Finale vorgeschaltet, wenig ändern. Denn die Stimmung ist und bleibt wehmütig. Auch in der Lesart der Dirigentin Marion Wood. Hin und wieder schimmern helle Holzbläserfarben im Orchester durch, pfeift die Piccoloflöte lustig und luftig – doch das Dunkel dominiert.

Insgesamt gelang dem Orchester eine bemerkenswerte Umsetzung dieser durchaus heiklen Partitur. Ein klein wenig mehr an rhythmischer Präzision täte gut, erreichbar vielleicht durch wirklich gemeinsames Atmen aller Instrumentengruppen. Und manchmal könnte es, wie etwa in den raschen Streicher-Aufschwüngen im Finale, hilfreich sein, nicht mathematisch zu zählen sondern sich einfach intuitiv auf den Zielton hin zu bewegen.

Denn das Potenzial des Collegium kann Marion Wood verfügbar machen, wie Felix Mendelssohn Bartholdys klangschön entfaltete Hebriden-Ouvertüre bewies. Da ließ sie jenes für Mendelssohn typische „Sommernachts-Flirren“ aufkommen und sorgte für organisch gestaltete Dynamik, wovon denn auch das „exotische“ Stück des Programms an diesem Abend profitierte: die „Missisippi-Suite“ aus der Feder des Amerikaners Ferde Grofé.